Harter Tobak: Leseprobe „ZOMBIE TRAIL“ (STAHLWÖLFE 1)

Stahlwölfe

LESEPROBE STAHLWÖLFE 1 –  ZOMBIE TRAIL von Cico Cavca:

Schweiß perlte von ihrer glatten Stirn, biss wie Säure in die vor Schock erstarrten Augen. Ihr vor Grauen verzerrtes Gesicht leuchtete gespenstisch in der dunklen Schlafkammer, aus deren Ritzen und Spalten, der Decke, des Fußbodens und der Wände etwas unvorstellbar Grausames, Unfassbares und Unbeschreibliches strömte. Es war, als würde der Atem des Bösen durch den Raum wehen.

Der Schmerz ließ sie bis ins Mark erzittern, und überall spürte sie die klebrige, dickflüssige Nässe. Blut.

Ihr Blut!

Doch das war ihr in diesem Moment egal. Denn sie wollte nur eines: Diese unbändige Qual nicht mehr verspüren, die in ihren Eingeweiden wühlte, an ihren Knochen nagte, sich durch ihre Wirbelsäule fraß und ihre Gedärme zerfetzte.

Sie lag auf ihrem Bett. Ihr fiebernder Blick glitt an ihrem Körper hinunter, unfähig den Kopf auch nur einen Deut zu bewegen. Noch immer war dieses Monster da, das gierig ihr Fleisch aufzehrte, sie bei lebendigem Leib ausweidete. Dieses Monstrum, das sie vor wenigen Minuten in ihrem Zimmer wie ein wildes Tier angefallen hatte.

Dieses Monstrum, das einmal ihr Bruder gewesen war!

Ben! Mein Gott …

Doch Ben war kein Mensch mehr – sondern ein untoter Kannibale. Ein Zombie! Seine Augen waren pupillenlos wie die eines an Land verendeten Fisches. Genauso kalt war seine kreidebleiche Haut mit den unzähligen Geschwüren. Mit jeder seiner Bewegungen platzten die verkrusteten Pusteln wie vollgefressene Maden unter einer Stiefelsohle auf und sonderten dabei eine rote, schleimige Flüssigkeit ab, die so bestialisch stank wie der Atem der Hölle.

Ben!

Aber ihr Bruder hörte ihr stummes Flehen nicht, sondern fraß sich weiter schmatzend durch ihre blutigen Gedärme, zerriss mit seinen scharfen Zähnen die Schleimhäute und Venengeflechte, um gleich darauf den Speisebrei aufzuschlürfen. Dann endlich erlöste der Tod sie von ihren schrecklichen Qualen.

Plötzlich peitschte ein Schuss durch die unwirkliche Szenerie. Die Kugel zerfetzte das halbe Gesicht des Zombies. Fleisch- und Gehirnfetzen klatschten gegen die Wand. Aus dem, was noch von seinem Schädel übrig war, schlängelte sich eine lange Spur aus grauer, wurmiger Masse. Endgültig tot blieb Ben auf dem ausgeweideten Körper seiner Schwester liegen.

Doch auf einmal rührte sich diese wieder, bewegte die zu Klauen entstellten Hände und hob den Kopf. Ihre leeren, trüben Augen schauten nach oben. Aufgrund des Kainsfluches verwandelte auch sie sich in einen Zombie, der nur von einem beseelt war: Fressen und töten!

Plötzlich stand über ihr eine Gestalt. Breitbeinig, mit einem großkalibrigen Revolver in der rechten Faust.

Wäre die Frau noch am Leben gewesen, dann hätte sie erkannt, dass es ihr Ehemann war. So aber sah sie nur eine Mahlzeit vor sich, die sie rasend vor Hunger machte.

Bevor der Kainiter den leblosen Körper des Bruders abschütteln konnte, um den eigenen Gatten anzufallen, drückte der Mann erneut ab. Flackerndes Mündungsfeuer brach aus dem Lauf seiner Waffe hervor. Das Geschoss zerfetzte dem Zombie den Schädel und warf ihn auf das Bett zurück. Die Blut- und Fleischreste vermengten sich mit denen des anderen erledigten Untoten, der auf dem besudelten Laken lag.

Erst nach einer geraumen Weile wandte sich der Mann von dem grauenvollen Anblick ab. Mit hartem, unbewegtem Gesicht verließ er die einst gemeinsame Schlafkammer. Er hatte soeben seine Frau und seinen Schwager in die Hölle geschickt. Und bei Gott, er würde es jederzeit wieder tun!

 

*

 

  1. Juli 1866, Nähe Columbia und Boonville, Bundesstaat Missouri.

Marine-Major Bradock Shannigan schreckt plötzlich aus dem Tagtraum auf, kämpft gegen die kraftvolle, grausame Erinnerung an, die wie der Ton einer Totenglocke in ihm nachklingt und nicht vergehen will. Die Trauer hat sich erneut über ihn gelegt, presst ihm die Luft aus den Lungen. Es fällt ihm schwer, die negativen Emotionen abzuschütteln, in die Gegenwart zurückzukehren. Die Gedanken daran, wie er seine Ehefrau Marissa tötete, weil sie zu einer Untoten geworden war, werden ihn sein ganzes Leben nicht mehr loslassen, für immer und ewig wie ein wiederkehrender Albtraum begleiten.

An diesem Morgen steht die Sonne schon heiß und glühend am wolkenlosen Himmel. Shannigan zieht sich die Hutkrempe seines breitrandigen Stetson tiefer in die Stirn. Sein weißes Uniformhemd mit den Schulterklappen und die hellblaue Levishose mit den roten Streifen schützen ihn zudem vor den gleißenden Strahlen.

Er ist ein groß gewachsener, sehniger Mann mit geschmeidigen Muskeln. Anfang vierzig, mit militärisch kurzem dunklen Haar und einem harten Gesicht mit markanten Zügen. Auf den ersten Blick wirkt es wie aus Granit gemeißelt. Nur die blassen grauen Augen über der kerzengeraden Nase, deren Farbe einem nebelverhangenen Meer gleicht, scheinen es mit Leben zu füllen. Auf  den unrasierten Wangen schimmern zwei Messernarben, die sich wie mit einem Lineal gezogen von den hohen Wangenknochen bis knapp zu den Mundwinkeln hinunter ziehen. Sie verleihen seinem schmallippigen Mund einen seltsam verkniffenen Ausdruck. Das energische Kinn verrät Durchsetzungsvermögen, eisernen Willen und unbändige Energie. Man sieht ihm an, dass er ein Mann ist, der genau das tut, was getan werden muss.

Das also ist Marine-Major Brad Shannigan. Ein Stahlwolf, wie die Mitglieder der paramilitärischen Anti-Mason-Force auch genannt werden, zu der er gehört. Hart wie Stahl, unbeugsam, unerbittlich. Die AMF ist nicht der US-Army unterstellt, sondern operiert eigenständig. Ihr oberstes Ziel ist das Aufstöbern sowie die Ergreifung der Freimaurer-Staatsfeinde. Dabei kann sie alle militärischen, geheimdienstlichen und polizeilichen Methoden anwenden, im Gegensatz zum US-Marshal-Service, der nur Letzteres darf. Somit ist die AMF eine Spezialeinheit, die mit den weitreichendsten Befugnissen ausgestattet ist, die es im Sicherheits- und Militärapparat der USA gibt.

Shannigan sitzt auf einem mächtigen, klobig gebauten Pferd, das auf den Namen Django hört. Der schwarze Hengst trabt gemessenen Schrittes neben der schier unendlichen Schlange des Konvois aus Planwagen, Dampfmobilen und Lasttieren. Insgesamt sind annähernd drei Millionen Überlebende im längsten Treck der jungen Geschichte der USA vereint. Auf dem Trailing Blood, dem Pfad des Blutes und der Tränen.

Eine Million Menschen sind in der Kainiter-Zone zurückgeblieben. Bei ihnen handelt es sich überwiegend um Alte, Kranke oder um jene, die nur kämpfend ihre mühsam geschaffene Heimat in der Neuen Welt aufgeben wollen. Fest steht jedoch, dass sie sterben werden – massakriert von den Zombiehorden, die sich wie eine Seuche über den Süden, Osten und Norden des Landes ausgebreitet haben. Der Treck ist auf der Flucht nach Westen. Bis dort sind die Kainiter noch nicht vorgedrungen.

Das erste Ziel der Überlebenden ist der östliche Knotenpunkt der Pionierwege, des ehemaligen Oregon-, California- und Santa-Fe Trails: Kansas City im Bundesstaat Kansas. Bis dahin sind es allerdings einhundertzwanzig Meilen. Vor zwei Stunden haben sie Columbia hinter sich gelassen und den Missouri-River überquert. Columbia liegt genau in der Mitte zwischen St. Louis und Kansas City. Nun befindet sich der Treck in der Höhe von Boonville.

Brad Shannigan hofft insgeheim, dass dies ein gutes Omen ist. Denn „Boon“, also „Segen“, brauchen sie gewiss in dieser schrecklichen, unsicheren Zeit.

Sein Blick schweift über die Wagen- und Pferdekolonne, die sich wie eine endlose Schlange von einem Ende des Horizonts bis zum anderen hinzieht. Ein paar Dampfmobile, besetzt mit Politikern der Escape-, der Fluchtregierung, sind auch dabei. Doch die meisten dieser Fahrzeuge werden an den Grenzen zur Kainiter-Zone gebraucht, genauso wie die Flugschiffe, Torpedoboote und Dampfpanzer der wiedervereinigten US-Army. Ihre Infanterie, Kavallerie und Artillerie besteht aus eineinhalb Millionen Soldaten unter dem Oberkommando von General William Tecumseh Sherman und General Edmund Kirby Smith. Sherman hat einst bei den Yankees gekämpft, Smith bei den Konföderierten.

So bleiben als Schutz für den Treck nicht mehr als einhunderttausend reguläre Soldaten des I. US-Army-Corps, angeführt von dem einst erfolgreichsten General der Rebellen: Robert Edward Lee, mit seinem Yankee-Assistenten Generalmajor George Gordon Meade. Hinzu kommen zwanzigtausend Marshals und Sheriffs, die im US-Marshal-Service zusammengefasst sind, sowie dreißigtausend Elitekämpfer der 1. AMF-Division. Für einen Flüchtlingsstrom von drei Millionen Menschen sicher viel zu wenig, um bei einem eventuellen Angriff der Kainiter bestehen zu können …

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stahlwölfe1

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