LESEPROBE: „Sherlock Holmes und die Diamanten der Prinzessin“

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Der Meisterdetektiv aus der Baker Street muss diesmal gleich drei Fälle hintereinander lösen: ein raffinierter Betrug um ein Diamantengeschenk im Umfeld des englischen Königshauses, ein kunstverständiger Einbrecher und das Geheimnis der Roten Maske. Sherlock Holmes begibt sich mit gewohnter Akribie an die Entschlüsselung dieser höchst merkwürdigen Delikte, die Edgar Charles Watson, ein direkter Nachfahre des einstigen Chronisten, hiermit erstmalig veröffentlicht.

LESEPROBE:

In den zahlreichen Jahren, die ich gemeinsam mit meinem berühmten Freund Sherlock Holmes in der Baker Street lebte, und auch in den späteren Jahren, in denen ich durch meine Heirat nur noch wenig Zeit hatte, ihm bei allen Fällen bereitwillig zur Seite zu stehen, geschahen viele Verbrechen, die ich zwar aufgeschrieben hatte, aber nicht veröffentlichte.

Die Gründe dafür waren sehr vielfältig, und meistens war es Holmes selbst, der mich bat, diese Fälle nicht zu publizieren. Er legte meine Berichte zu seinen Unterlagen, und erst jetzt, nach vielen Jahren, dürfen sie der Öffentlichkeit bekannt werden. Jetzt ist kaum noch zu befürchten, dass eine der geschilderten Persönlichkeiten Anstoß daran nehmen kann, hier ihren Fall der breiten Leserschar vorgelegt zu finden. Längst sind ihre Namen vergangen, die Erinnerung an sie verloschen. So kann ich also endlich, selbst im hohen Alter, diese Berichte veröffentlichen, aus dem Geheimarchiv des Meisterdetektivs Sherlock Holmes.

Dr. Watson

Die Diamanten der Prinzessin

»Bitte, Misses Hudson, bringen Sie für den Tee noch ein weiteres Gedeck.« Sherlock Holmes warf bei diesen Worten einen kurzen Blick auf mich, nickte mir freundlich zu und nahm in seinem Sessel Platz.

»Sie erwarten noch Besuch?«, erkundigte ich mich erstaunt, denn mein Freund hatte bislang kein Wort über einen möglichen Gast geäußert.

»Ja, mein lieber Watson, Mister John Edward Richardson wird uns noch heute aufsuchen.«

Ich sah unserer Haushälterin nachdenklich hinterher, als sie das Zimmer verließ. Holmes saß gelassen in seinem Lieblingssessel, zündete seine unvermeidliche Pfeife an und hüllte sich in dichte Tabakwolken. Ich kannte meinen Freund nun schon lange genug, um seine Eigenarten zu kennen. Er erwartete von mir, dass ich nach dieser Ankündigung in der Lage war, die notwendigen Kombinationen selbst anzustellen. Nichts war ihm verhasster, als umständlich Dinge erklären zu müssen, die nach seiner Meinung jedermann selbst leicht erraten konnte. Ich wollte den berühmten Detektiv nicht enttäuschen.

Richardson? Was hatte ich im Zusammenhang mit diesem Namen gelesen? Plötzlich fiel es mir ein. In der Morgenausgabe stand eine ganz kleine, offenbar völlig unbedeutende Notiz, dass man einen gewissen Burns in Paris verhaftet hatte und nach London bringen wollte. Burns sollte im Auftrag des bekannten Londoner Agenten Richardson Schmuck in Paris kaufen. Mehr war dem Bericht nicht zu entnehmen, und ich wollte mich eben noch einmal der Zeitung widmen, als sich Sherlock Holmes räusperte.

»Handelt es sich bei dieser Angelegenheit nicht um einen vollständig uninteressanten Fall, Holmes?«, erkundigte ich mich, nun doch neugierig geworden.

»Keineswegs, mein lieber Watson«, antwortete Holmes, stopfte umständlich seine Pfeife und ließ sich mit seiner Antwort Zeit. Wieder kamen dichte Qualmwolken aus seinem Mund, die ihn geradezu einhüllten. Nur der jahrelange Umgang mit meinem exzentrischen Freund hatte mich gelehrt, dass in einer solchen Situation geduldiges Abwarten das beste Mittel war, um Einzelheiten zu erfahren. Aber diesmal hatte ich mich getäuscht. Ehe Holmes antwortete, hörten wir unten Mrs Hudsons Stimme, und gleich darauf erklangen Schritte auf der Treppe.

»Gentlemen, dieser Herr wollte unbedingt zu Ihnen«, sagte unsere Haushälterin etwas atemlos, als sie in das Zimmer trat.

Ihr folgte ein großer, breitschultriger Mann, der sofort aufgeregt losplapperte: »Sie müssen mir helfen! Eine Katastrophe! Ein entsetzliches Verbrechen!«

»Wollen Sie sich nicht erst einmal setzen, Mister Richardson?«, fragte Holmes freundlich und bot unserem Besucher einen Platz an.

»Wie? Ja, natürlich … Woher wissen Sie denn … ich meine, Sie kennen mich doch nicht?«

Mein Freund lächelte dem nervösen Geschäftsmann freundlich zu. »Nun, persönlich kennen wir Sie nicht, aber wir haben Sie bereits erwartet.« Dabei deutete er auf die bereitstehende Teetasse, die soeben von Mrs Hudson gefüllt wurde.

Unserem Gast war die Verwirrung deutlich anzusehen. Er zog ein Taschentuch hervor und fuhr sich damit nervös über die Stirn.

»Es geht doch um die Diamanten für das Diadem der Prinzessin Maud of Glingworth?«

Richardson starrte Sherlock Holmes verblüfft an. »Aber wieso … meine Herren … das ist doch völlig geheim …« Wieder fuhr er sich nervös mit dem Tuch über das Gesicht.

Holmes entzündete seine Pfeife erneut. Er warf mir einen vielsagenden Blick zu und fuhr fort: »Die Hochzeit der Prinzessin mit dem indischen Fürsten ist ja nun schon lange genug das Stadtgespräch in London. Fast könnte man glauben, dass die Zeitungen kein anderes Thema mehr kennen.«

Richardson nickte eifrig zu den Worten des Detektivs.

»Nun, also weiter. Sie sind über die Grenzen der Stadt hinaus als Agent mit weitverzweigten Geschäftsbeziehungen bekannt. Bei Hochzeiten hochgestellter Persönlichkeiten bemüht man Sie gern für ausgefallene Geschenke. Es liegt also auf der Hand, dass Sie beauftragt wurden, für ein Diadem, das die Prinzessin zweifellos auf ihrer Hochzeit tragen wird, die Diamanten und Edelsteine zu besorgen. Soweit richtig?«

Wieder nickte der Kaufmann, unfähig, ein Wort zu sagen.

»Sehr schön.« Holmes wirkte ob der Verblüffung des Mannes amüsiert. »Heute berichtete die Morgenausgabe von der Verhaftung eines gewissen George Burns, der für Sie arbeitet. Nun, da erklärte ich gerade meinem Freund, Dr. Watson, dass wir Sie zum Tee erwarten könnten.«

»Und woher … ich meine …« Jetzt wurde wohl auch Richardson bewusst, dass er bislang noch keinen Satz im Zusammenhang gesprochen hatte. Er riss sich zusammen, klappte seinen Mund zu, schluckte und räusperte sich verlegen. Dann trank er einen Schluck Tee. »Fabelhaft, Mister Holmes!«, brachte er schließlich heraus. »Ich habe mich nicht in Ihnen getäuscht. Nur Sie werden die Diamanten wiederbeschaffen können.«

»Ich nehme an, Sie können mir keine weiteren Einzelheiten mitteilen?«

»Nur, was ich bislang von der Polizei gehört habe. Burns sollte für mich tatsächlich in Paris Diamanten und Edelsteine für das Diadem einkaufen. Bei den Juwelieren d’Orliere fand er einige geeignete Stücke, man wurde handelseinig. Aber dann … Dann passierte das Unglück!« Richardson seufzte tief auf und lehnte sich zurück. »George Burns wurde verhaftet. Er soll versucht haben, den gesamten Schmuck gegen unechte Steine einzutauschen. Und zwar nicht nur den, den er für das Diadem ausgesucht hatte. Bei einer Untersuchung aller Edelsteine, die man ihm vorgelegt hatte, stellte sich heraus, dass sie unecht waren. Alle! Ich bin ruiniert, ein furchtbarer Skandal, Mister Holmes!«

»Der Fall interessiert mich, Mister Richardson. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass ein Mann auf so plumpe Weise versucht, eines der ersten Juwelierhäuser in Paris zu betrügen.«

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